Psychisch Krank

Was  "die Leute" sagen...

Für viele Patienten und ihre Angehörigen ist es ein Schock, wenn sie das erste Mal in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden. "Was werden die Leute sagen?" und "Was ist denn mit mir bloß los?" fragen sie und fürchten von der Umwelt als "verrückt" angesehen zu werden.

                         ... und was wirklich stimmt.

Viele obliegen immer noch dem großen Irrtum, eine psychische Erkrankung, oder besser und wertfreier ausgesdrückt eine psychische Störung sei eine Folge von Willensschwäche, Disziplinlosigkeit oder Erziehungsfehlern und daher ein Makel der Persönlichkeit. Dabei ist es mittlerweise erwiesen, dass bei vielen psychsichen Störungen biologische (neurochemische, genetische oder hirnbiologische) Ursachen zugrunde liegen.

Vorurteile und was davon zu halten ist

In Gesprächen mit Patienten und Angehörigen höre ich oft viele falsche Aussagen über psychische Erkrankungen. Einige seine hier genannt und berichtigt:

• Wer einmal in der Psychiatrie landet, kommt nicht so schnell wieder heraus.

Tatsache ist dagegen: Viele psychische Krankheiten sind gut behandel- und heilbar und es bleibt bei einer einmaligen Episode. Andere Krankheiten sind zwar nicht heilbar, man kann aber lernen damit zu leben.

• Wer an der Psyche erkrankt ist, der ist halt auch ein "Psycherl", der soll sich halt zusammenreißen und sich nicht so anstellen.

Besonders depressive Patientinnen und Patienten bekommen das zu hören. Sie fühlen sich dadurch entwertet und als Drückeberger oder Faulpelz abgestempelt. Aber eine Krankheit bleibt eine Krankheit. Niemand käme auf die Idee etwa einem Herzkranken zu sagen, er soll sich zusammenreißen. Psychische Störungen sind Folge von biologischen und lebensgeschcihtlichen Ereignissen und brauchen eine gezielte Behandlung mit Medikamenten und verschiedenen auf die Person abgestimmten Therapien.

• "Der ist ja schizophren!"

Das Wort schizophren wird umgangssprachlcih als Schimpfwort gebraucht unbd vielfach falsch verstanden (wenn jemand widersprüchlich handelt..). Schizophrenie ist eine von vielen psychiatrischen Erkrankungen und eher selten.

• Trinker müssen sich einfach disziplinieren und aufhören soviel zu trinken.

Wieder wird verkannt, dass eine Alkoholabhängigkeit, wie jede andere Suchterkrankung eine schwere Erkrankung ist, die behandelt werden muss. Sucht ist kein Vergehen, sondern eine Krankheit.

• Was habe ich bloß falsch gemacht, dass gerade ich so depressiv bin?

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt ein Mal im Leben an einer Depression. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit ca. 4 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Depression kann jeden treffen.


Glaube und psychische Krankheit

Gläubige Menschen leiden nicht weniger in einer seelischen Erkrankung. Im Gegenteil. Eine depressive Frau sagte einmal, sie könne jetzt nicht einmal mehr beten, sie spüre nichts mehr von Gott, der ihr doch früher so nahe war. So gerät oft auch der Glaube an einen «guten Gott» und an den Sinn des eigenen Lebens ins Wanken. Solche Zweifel gehören zum Leben und sogar zum Glauben.

In Gesprächen und Gottesdiensten kann z. B. die Bibel helfen, eine Sprache zu finden. Depression etwa ist in der Bibel verschiedentlich Thema, wird allerdings nicht so genannt. An Depression Leidende könnten sich beispielsweise in der Gestalt von Hiob, der mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit seinem Gott ringt, wiedererkennen